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Wie Sie in der verrückten VUCA-Welt gesund bleiben

06. September 2018 / Barbara Lauber
Immer mehr, immer schneller, immer komplexer: Unsere Arbeitswelt hat sich rasant verändert. Wie gelingt es Institutionen und ihren Mitarbeitenden, trotzdem gesund zu bleiben und sich nicht lähmen zu lassen? Wir zeigen 3 spannende (Aus-)Wege, die am INSOS-Kongress 2018 näher vorgestellt wurden.

Früher, da fühlte sich die Arbeitswelt noch stabil, vorhersehbar, einfach und eindeutig an. Wir wussten in der Regel, was richtig und was falsch ist. Und wir konnten uns mit grosser Treffsicherheit ausmalen, wie die Welt und unsere Arbeit in einem Jahr aussehen würde.


Komplexe, unsichere Arbeitswelt

Doch das war einmal. Heute ist vieles unsicher, komplex, mehrdeutig und unberechenbar geworden.  Auch in Institutionen für Menschen mit Behinderung. Wenn Regula Ruflin von socialdesign die Trends aufzählt, mit denen Institutionen heute konfrontiert sind, nimmt die Liste fast kein Ende: Stärkung der Selbstbestimmung, Inklusion, Durchlässigkeit und Vielfalt an flexiblen Angeboten, massgeschneiderte Unterstützung, veränderte Zusammensetzung der Klientel, leistungsbezogene Finanzierung – und und und.

Wie können Institutionen und ihre Mitarbeitenden trotzdem gesund, motiviert und beweglich bleiben? Wir zeigen 3 Wege, wie wir in der verrückten VUCA-Welt (Volatile, Uncertain, Complex und Ambigous) bestehen und uns weiterentwickeln können. Vertieft kennengelernt haben wir sie am INSOS-Kongress 2018 in Flims.

«Wir müssen uns vom Mythos der Kontrolle und der Berechenbarkeit verabschieden.» Ella G. Amann


1.    Bleiben Sie gelassen!

«Was wir heute brauchen, ist Gelassenheit!», findet Bestsellerautorin Sabine Asgodom. Gelassenheit hilft, die Energie und Lebensfreude auch in stürmischen Zeiten zu erhalten und uns in ihnen nicht zu verlieren. Sabine Asgodom: «Wenn wir gelassen sind, können wir besser hinhören und uns besser in Menschen und Situationen einfühlen. Wir erkennen Chancen und Risiken. Wir behalten im Stress die Ruhe. Wir kommen auf die gute Lösung und treffen richtige Entscheidungen.» Folgende 5 Faktoren sind Schlüssel zur Gelassenheit:

  • Achtsamkeit: wahrnehmen, was gerade in und ausserhalb von mir abläuft.
  • Balance: das rechte Mass finden - zwischen Anpacken und Loslassen, zwischen Beruf und Privatleben etc.
  • Hingabe: Liebe entwickeln für das, was man tut.
  • Geduld: Warten als Chance für neue Möglichkeiten und Lösungen.
  • Dankbarkeit: den Fokus auf das richten, was gut läuft und positiv ist.


2.    Werden Sie resilient!

Alle reden heute von Resilienz. Doch was genau ist damit gemeint? «Resilienz ist ursprünglich die Fähigkeit eines Werkstoffes, sich unter Belastung verformen zu lassen und dennoch wieder in die ursprüngliche Form zurückzufinden», sagt die Resilienztrainierin Ella G. Amann. Resilienz steht also für Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit. Sie bewegt sich zwischen zwei Prinzipien hin und her: zwischen Agilität (Elastizität, Beweglichkeit, Flexibilität), die Veränderung ermöglicht, und Stabilität (Spannkraft, Struktur, Form), die für Kontinuität und Erhalt sorgt.

Für Ella G. Amann ist klar: Die Crux ist es, stets aufs Neue die Balance zwischen Agilität und Stabilität zu finden. «Zu viel Veränderung aufs Mal destabilisiert ein System», betont sie. Eine Organisation in die Bewegung zu führen, sei deshalb ein sensibler Akt. Damit er gelingen kann, müssen wir lernen,

  • auf Selbstregulation zu setzen und Regeneration zu ermöglichen
  • den Menschen und die Selbstorganisation in den Mittelpunkt zu rücken
  • eine produktive Lern- und Fehlerkultur zu leben
  • auf der Basis von Feedback iterativ vorzugehen
  • gemeinsam Ziele zu erreichen und Probleme lösen
  • situativ zu entscheiden und Rollen sowie Aufgaben situativ zu vergeben


3.    Entfalten Sie Ihr Potenzial!

«Ja, es ist möglich!», sagt Organisationsberater Sebastian Purps-Pardigol. «Wir können mit unseren Gedanken unser Hirn verändern und über uns hinauswachsen.» Bloss: Wie gelingt es, dieses Potenzial bei uns selbst zu entfalten? Und wie schaffen es Unternehmen, dieses Potenzial bei ihren Mitarbeitenden zu wecken und zu nutzen?

Purps-Pardigol, der eng mit dem Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther zusammenarbeitet, hat zu diesem Thema über 150 Firmen befragt. Folgende 3 Faktoren helfen, auch in Veränderungsprozessen über sich hinauszuwachsen:

  • Verbundenheit: Veränderungen können das Hirn in einen Alarmmodus versetzen. Dann hat ein Mensch nur noch beschränkt Zugriff auf seinen «präfrontalen Kortex». Dort ist unsere Kreativität, Empathie, Impulskontrolle, vorausschauende Planung und viele weitere höhere geistige Leistungen angesiedelt. Das Gefühl von Verbundenheit und Zugehörigkeit sorgt im Hirn dafür, dass sich die «Amygdala» beruhigt.  Die Folge: Der Mensch hat wieder Zugang zum «präfrontalen Kortex» und dadurch auf sein gesamtes Potenzial.
  • Mitgestaltung: Jeder Mensch hat das Grundbedürfnis, sich zu entfalten und etwas zu gestalten. Schon von klein auf. Wird dieser Impuls unterdrückt, sinkt das körperliche Wohlbefinden. Gelingt es Unternehmen indes, ihre Mitarbeitenden in Entscheide einzubeziehen und ihnen Räume für die Mitgestaltung zu eröffnen, können diese über sich hinauswachsen. Die Folge: höhere Mitarbeiterzufriedenheit, hohes Commitment, kreative Lösungen.
  • Innere Bilder: Bedrohliche innere Bilder können das Hirn in Alarmbereitschaft versetzen und die Personen in einen Angriffs-, Flucht- oder Starre-Modus stürzen. «Personal- und Führungsverantwortliche können dies verhindern, indem sie möglichst häufig, offen und klar mit ihren Mitarbeitenden kommunizieren.» Denn: Eine positive Neuinterpretation der Lage beruhigt die «Amygdala». Die Folge: Der Mensch erhält wieder Zugang zu seinen höheren Fähigkeiten, und die Loyalität steigt.


Mehr Informationen

Präsentation Regula Ruflin
Präsentation Sabine Asgodom
Präsentation Ella G. Amann
Artikel "Das Hirn im Wandel" von Purps-Pardigol

Dokumentation Präsentationen INSOS-Kongress 2018

 

© Bild: alphaspirit

Tags

Management, HR

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