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Marketing | In drei Schritten zum überzeugenden Eigenprodukt

05. November 2018 / Barbara Lauber
Werkstätten stehen immer wieder vor der Frage: Wie finden wir ein Produkt, das auf dem Markt Erfolg hat? Ist es eine Frage des Glücks? Nein, es ist vielmehr eine Frage der richtigen Strategie. Wir zeigen Ihnen in 3 Schritten, wie Sie zündende Ideen entwickeln und diese erfolgreich umsetzen können.

1. Schritt: die Analyse

In der Produkteentwicklung wird die Analyse-Phase mangels Zeit gerne übersprungen. Die Folge: Wichtige Fragen, die für den Erfolg eines Produkts mitentscheidend sind, werden nicht beantwortet . Nehmen Sie sich deshalb für die Analyse genügend Zeit und sammeln Sie möglichst systematisch Informationen zur Marktsituation (Aussensicht) sowie zu Ihren Produktionsvoraussetzungen und -möglichkeiten (Innensicht).

Sie können sich in dieser Phase fragen:

  • Was sind die Stärken der KlientInnen und Mitarbeitenden in unserer Werk- oder Tagesstätte?
  • Mit welchem Material (z.B. Holz, Kunststoff, Papier) arbeiten wir gerne und professionell?
  • Welche Arbeiten können wir qualitativ hochstehend ausführen?
  • Haben resp. wollen wir ein Sortiment (z.B. Küchenutensilien) und fehlt dort ein Produkt?
  • In welchem Preissegement bewegen wir uns?
  • Wer sind unsere Kunden?
  • Wie sieht in unserem Umfeld der Markt an sozialen Eigenprodukten aus?
  • Wie können wir uns von unseren Mitbewerbern abheben?
  • Welche Produkte- und Designtrends gibt es?

2. Schritt: die Ideenentwicklung

Jetzt ist Kreativität gefragt sowie ein bisschen Übermut, viel Neugierde, Freude am Entwickeln – und Geduld! Denn Ideen kommen selten auf Knopfdruck. Kreativitätstechniken (z.B. Mindmapping, Brainstorming) helfen einem Team nach der Analyse, Ideen zu spinnen und den Blick sowie das Denken zu öffnen. Geistesblitze kommen oft erst nach einer bewussten Suchphase. Lassen Sie sich also Zeit und lassen Sie während dieser "Inkubationszeit" auch Ihr Unterbewusstsein für Sie arbeiten.

Sie können sich in dieser Phase fragen:

  • Welche Kreativitätstechniken sprechen uns an?
  • Wie viel Zeit wollen und können wir uns für die Ideenentwicklung geben?
  • Welche Personen binden wir in die Ideensuche ein?
  • Wollen und können wir mit einem Designer oder einer Designerin zusammenarbeiten? Haben wir ein Budget für eine solche Kooperation?
  • Wie eigenständig sind unsere Ideen? (Kopien/Plagiate vermeiden)

3. Schritt: die Überprüfung und Umsetzung

Nun erproben Sie Ihre besten Ideen: Sie machen erste Entwürfe. Sie variieren die Materialien und die Form. Und schliesslich verdichten, überarbeiten und testen Sie, ob Ihr Produkt in agogisch sinnvollen Schritten hergestellt werden kann und in Ihrem Umfeld gut ankommt. Sie überprüfen, ob sich angesichts der Produktionskosten eine ausreichende Marge erwirtschaften lässt, und erstellen eine Kalkulation (Produktionsmenge, Marge etc.). Wichtig ist, dass Sie sich auch über die Produktegestaltung und die Verpackung Gedanken machen – wenn möglich zusammen mit der Person, die fürs Marketing verantwortlich ist oder mit einem externen Profi. Sobald der Entscheid für ein bestimmtes Produkt gefällt ist, folgt die detaillierte Produktionsentwicklung, eine Nullserie sowie die Qualitätsprüfung. Danach kann die Produktion starten.

In dieser Phase können Sie sich fragen:

  • Welche Idee setzen wir nun wirklich um resp. wie ergänzen wir unser Sortiment?
  • Welche Ideen brauchen länger, welche können wir sofort umsetzen?
  • Wer übernimmt den Lead für die einzelnen Ideen?
  • Wie weit gehen wir in der Entwicklung einer Idee? Wann entscheiden wir, ob sie in Produktion geht oder verworfen wird?
  • Wie sieht unser Zeitplan für die Entwicklung und Produktion aus?
  • Ist das Produkt schön, professionell gearbeitet, funktional, eigenständig und langlebig? (vgl. Kriterien Designprodukte)
  • Hat unser neues Produkt „eine Seele“? Kann ich mich ins Produkt verlieben?
  • Welche Verpackung eignet sich für das Produkt? Passt sie in unser CD/CI (Corporate Design, Corporate Identity)? Wo und wie  prominent wird die Marke (Institution) platziert? Hat das Produkt einen eigenen Namen? Und ist Storytelling schon bei der Verpackung möglich?
  • Welche Qualitätsansprüche verfolgen wir?
  • Ist die Person, die fürs Marketing verantwortlich ist, in den Gestaltungsprozess einbezogen?
  • Können wir eine saubere Kalkulation vorlegen? (Zu welchem Preis verkaufen wir das Produkt? Was verdienen wir wirklich daran?)
  • Welche Stückzahlen kann ich in einer gewissen Zeitspanne produzieren?
  • Wie vermarkten wir unser Produkt und wo verkaufen wir es?

Ein gutes Designprodukt – was ist das?

Der bekannte Red Dot Award für Produktedesign listet neun Kriterien für gutes Design auf:

  1. Innovationsgrad
  2. Funktionalität
  3. Formale Qualität
  4. Ergonomie
  5. Langlebigkeit
  6. Symbolischer und emotionaler Gehalt
  7. Produktperipherie (Verpackungs-, Entsorgungsfragen)
  8. Selbsterklärungsqualität
  9. Ökologische Verträglichkeit

 www.red-dot.org

 

Lesen Sie zum Thema Entwicklung und Vermarktung von Eigenprodukten unseren Schwerpunkt im INSOS-Magazin.

 

Zusammengestellt: Barbara Lauber; mit Unterstützung von Franziska Bründler, Fidea Design www.fideadesign.com. Auf Instagram: fideadesign

Foto: Adobe Stock/Ruslan Grumble

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