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CORONAVIRUS | Wie wirkt sich die Krise auf uns aus?

15. April 2020 / Simone Rychard
Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Sie als Begleitperson und auf Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung aus? Und wie können Sie mit den starken Emotionen und der Anspannung, die eine Krise oft auslöst, am besten umgehen? Simone Rychard, Psychologin und Leiterin der Fachstelle Lebensräume, schildert in ihrem Blog-Beitrag anschaulich, was die Corona-Krise mit uns Menschen macht und welche Strategien weiterhelfen.

1. Krisensituation

Eine Krise verstehe ich als Situation, in der ein bisheriges Gleichgewicht, ein bisher einigermassen stabiles System ins Wanken gerät oder zusammenbricht. Wir sind mit Ereignissen oder Lebensumständen konfrontiert, für deren Bewältigung uns im Moment selber keine erfolgreichen Strategien zur Verfügung stehen.

Jeder Mensch hat folgende vier Grundbedürfnisse:

  1. Bindung
  2. Orientierung und Kontrolle
  3. Lustgewinn und Unlustvermeidung
  4. Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz (vgl. Klaus Grawe)


In der aktuellen Krise aufgrund des Coronavirus werden eigentlich alle diese Grundbedürfnisse massiv bedroht:

  • Aufgrund der ergriffenen Massnahmen und Regelungen wird unser Beziehungsleben zurzeit stark eingeschränkt, soziale Kontakte werden unterbunden. Auch fallen vielleicht wegen Krankheit wichtige Bezugspersonen aus.
  • Zudem erleben wir subjektiv wenig Kontrolle darüber, wie sich das unsichtbare Virus weiter überträgt und ausbreitet. Auch können wir selber das Verhalten der anderen Menschen nicht kontrollieren, wobei gerade dieses eine unmittelbare und grosse Wirkung auf die eigene Gesundheit haben kann.


Und wir haben in dieser völlig neuen und uns unbekannten Situation die Orientierung verloren:

  • Strukturen und Angebote sind weggebrochen.
  • Abläufe können nicht mehr eingehalten werden.
  • Bisherige Routinen sind uns nicht mehr möglich.
  • Wir wissen nicht, wie lange dieser Ausnahmezustand noch andauern wird.
  • Auf vieles, was uns bisher Lust und Freude bereitet hat, müssen wir zurzeit verzichten.
  • Und unser Selbstwert wird bedroht durch Arbeitsverlust, Existenzängste oder aufgrund fehlender positiver Rückmeldungen aus sozialen Kontakten.

 

Die Auswirkungen einer solchen Krise können sehr unterschiedlich sein:

  • So entfalten einige Menschen in dieser Situation ein überaus kreatives Potenzial, kommen auf neue Ideen, knüpfen neue Kontakte oder intensivieren bestehende Beziehungen. Einigen gelingt es vielleicht, sich wieder ein Gefühl der Kontrolle zu verschaffen, indem sie sich bewusst auf Möglichkeiten fokussieren, die im eigenen Handlungsspielraum liegen. Andere Personen wiederum verschaffen sich Lustgefühle mit neuen Aktivitäten, die sich in den eigenen vier Wänden ausüben lassen. (Ich erlaube mir an dieser Stelle die Bemerkung, dass man in der Schweiz zurzeit nicht grundlos hört, dass viele Menschen in dieser Krisenzeit so fein essen wie noch nie.) Und wieder andere erhöhen ihren Selbstwert, indem sie Mitmenschen helfen, für Risikopersonen einkaufen oder durch eigene Beiträge zur allgemeinen Unterhaltung beitragen. Bei diesen Menschen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie «gestärkt» oder zumindest ohne grössere schädigende Auswirkungen aus dieser Krise herausgehen werden.
  • Jedoch nicht alle verfügen über solche Ressourcen und Möglichkeiten. Zudem wird bei manchen Menschen regelrecht ihre Existenz bedroht, es werden bisweilen Gefährdungen an Leib und Leben erlebt. Dann drohen ernsthafte Schädigungen zu erfolgen und Beeinträchtigungen zurückzubleiben. Im Rahmen von krisenbedingten Konfliktsituationen, zum Beispiel in engen Verhältnissen zu Hause, kann es auch zu Gewaltereignissen kommen, die, nebst dem Virus selber, auch Grund für eine lebensbedrohliche Gefahr sein können.
  • Welche Auswirkungen die aktuelle Krise auf unsere Gesellschaft haben wird, ist schwierig zu beurteilen. Dies bleibt wohl abzuwarten. Dabei hoffe ich natürlich, dass sich aktuell spürbare Tendenzen wie gelebte Solidarität, veränderter Umgang bezüglich Konsum und Ressourcenverschleiss, Einschränkung der Mobilität und Besinnung auf «das Wesentliche im Leben» nachhaltig auswirken mögen. 

2. Auswirkung auf Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung

Wir alle, ob mit oder ohne Beeinträchtigung, verfügen über die gleichen Grundbedürfnisse. Somit betreffen obige Ausführungen auch Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung. Dennoch stellen sich bei Personen mit geistiger Behinderung im Rahmen der aktuellen Coronakrise ganz besondere Herausforderungen.

In erster Linie denke ich dabei an wichtige kognitive Kompetenzen, um eine Situation einordnen und verstehen zu können. Diese Möglichkeiten sind bei Personen mit kognitiver Beeinträchtigung eingeschränkt oder, bei einer stark ausgeprägten geistigen Behinderung, auch nicht vorhanden.

Bereits für Menschen ohne Beeinträchtigung bleibt es ja schwierig, dieses irgendwie abstrakte und unsichtbare Virus in seiner Ganzheit zu erfassen.

Das heisst: Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung nehmen die aktuellen Veränderungen in der Krise wahr, erleben die einschränkenden Massnahmen direkt mit, können dabei deren Ursachen aber nur begrenzt oder auch gar nicht verstehen. Bereits für Menschen ohne Beeinträchtigung bleibt es ja schwierig, dieses irgendwie abstrakte und unsichtbare Virus in seiner Ganzheit zu erfassen.

Oder stellen Sie sich nur einmal die Situation vor, die zurzeit viele Personen mit Beeinträchtigung, die in einer Institution leben, aushalten müssen: Sie dürfen ihre Angehörigen nicht mehr sehen und nicht mehr besuchen, können aber nicht verstehen, warum dies so ist. Das ist ein persönliches Drama!

Es können Gefühle der Frustration, Wut, Ohnmacht, Verunsicherung und Angst entstehen, was sich auch bis zur Panik ausweiten kann.

Der oben beschriebene Kontrollverlust wird durch ein solches «Nichtverstehen» also um ein Vielfaches stärker erlebt.

  • Es können Gefühle der Frustration, Wut, Ohnmacht, Verunsicherung und Angst entstehen, was sich auch bis zur Panik ausweiten kann.
  • Fehlen dann zusätzlich noch Möglichkeiten zur Kommunikation und zur Reflexion, dann können sich solche Gefühle zum Beispiel durch Rückzug und depressive Verstimmungen oder aber auch durch erhöhte Spannungen und aggressive Verhaltensweisen ausdrücken.

Eine Möglichkeit, wieder Kontrolle zu erlangen, ist es, eine Situation zu verstehen. Wir sind deshalb aufgefordert, alles daran zu setzen, die aktuelle Krisensituation den Personen mit kognitiver Beeinträchtigung auf eine adäquate und entwicklungsgerechte Art und Weise verständlich zu machen. Dabei ist an Informationen in leichter Sprache, an Bild- und Videomaterial sowie an alle anderen Möglichkeiten zur unterstützten Kommunikation zu denken.

Eine Möglichkeit, wieder Kontrolle zu erlangen, ist es, eine Situation zu verstehen.

Personen mit und Personen ohne kognitive Beeinträchtigung erleben in der aktuellen Krise also ähnliche und gleiche Gefühlszustände.

  • Ein wichtiger Unterschied liegt aber in den vorhandenen Ressourcen, mit solchen Gefühlen umzugehen. Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung weisen in der Emotionsregulation oft Kompetenzen auf, die nicht ihrem Lebensalter entsprechen. In Bezug auf die Möglichkeiten, eigene Gefühle zu managen, befinden sie sich auf einem tieferen Entwicklungsniveau als Gleichaltrige ohne Beeinträchtigung.
  • Gleichzeitig haben viele Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung ein ganz feines Sensorium für vorhandene Gefühlszustände bei ihren Mitmenschen. Sie nehmen Spannungen, Verunsicherung und Ängste bei ihren Angehörigen, bei Mitbewohnenden oder bei Betreuungspersonen wahr, sind dann vielleicht aber überfordert, mit diesen Wahrnehmungen umzugehen. Ich erachte es als äusserst wichtig, dass wir diesen Umständen gerade in der aktuellen Krise Rechnung tragen und die Menschen mit Beeinträchtigung in diesen emotionalen Zuständen eng begleiten.

Als weiterer Punkt zu erwähnen ist, dass für Personen mit geistiger Behinderung der Zugang zu einem konstruktiven Umgang mit der Krise vielfach erschwert ist. So fehlen vielleicht die Möglichkeiten, Beziehungen im Moment durch andere Kanäle weiterhin zu pflegen. Oder im Rahmen von beeinträchtigungsbedingten Abhängigkeiten ist es umso schwieriger, sich bewusst neue Möglichkeiten zu schaffen, in denen wieder vermehrt Kontrolle und Orientierung erlebt werden kann. Oder es bestehen aufgrund der Beeinträchtigung nur begrenzte Möglichkeiten zu neuen Aktivitäten, die Lustgefühle bereiten. Oder der eigene Unterstützungsbedarf verunmöglicht eine Erhöhung des Selbstwerts, indem die Person mit Beeinträchtigung helfend für andere Menschen da sein könnte.

Wir sind aufgefordert, alles daran zu setzen, die aktuelle Krisensituation den Personen mit kognitiver Beeinträchtigung verständlich zu machen.

Aber auch wenn dieser Zugang erschwert ist, so ist er meistens doch nicht gänzlich unmöglich. Gerne betone ich an dieser Stelle deshalb erneut: Wir sind aufgefordert, mit den Personen mit kognitiver Beeinträchtigung zusammen für sie passende Möglichkeiten zu finden, anhand deren sich diese wichtigen Grundbedürfnisse befriedigen lassen. Das würde aus meiner Sicht einer pädagogischen und agogischen Begleitung entsprechen, die ganz generell, aber vor allem auch in der aktuellen Krise unbedingt angezeigt wäre.

Und vielleicht bietet die Krise ja auch die Gelegenheit, uns gerade jetzt auf die zwar manchmal unkonventionellen, aber oftmals überaus kreativen und erfinderisch-konstruktiven Lösungsansätze von Personen mit kognitiver Beeinträchtigung zu besinnen und diese als Ressource mit einzubeziehen. Das fände ich eine sehr schöne Begleiterscheinung der Coronakrise.

Als Psychologin bei insieme Schweiz begleite ich ausschliesslich Personen mit Lernbeeinträchtigung, mit geistiger oder mehrfacher Behinderung sowie ihre Angehörigen, weshalb ich in meinen Ausführungen auch nur auf diese Zielgruppe eingehe. Menschen mit psychischen, körperlichen oder anderweitigen Beeinträchtigungen mögen in der aktuellen Krise wiederum andere beeinträchtigungsspezifische Herausforderungen erleben, auf die ich an dieser Stelle leider nicht auch noch eingehen kann.

3. Auswirkung auf das Begleitpersonal

Auch die Auswirkungen der aktuellen Krise auf die Bezugspersonen können unterschiedlich sein je nach individuellen Voraussetzungen und Ressourcen.

In den Institutionen müssen viele Fachpersonen nun restriktive Massnahmen umsetzen. Diese Regelungen den Personen mit geistiger Behinderung möglichst verständlich zu erklären, sie dann aber auch bei allfälligem Unverständnis trotzdem durchsetzen zu müssen, kann eine grosse Belastung bedeuten oder gar zu eigenen Versagensgefühlen als Fachperson führen. Auch auf dieser Seite kann also grosse Ohnmacht erlebt werden. Zudem ist das Begleitpersonal nahe an den Personen mit Unterstützungsbedarf dran und bekommt die weiter oben beschriebenen Gefühle (zum Beispiel Wut, Verunsicherung, Angst) und Verhaltensweisen (zum Beispiel Rückzug, aggressive Verhaltensweisen) oft ungefiltert mit.

Nebst agogischen gibt es zurzeit also auch noch viele weitere Weisungen einzuhalten.

Auch müssen die Fachpersonen weiterhin Pflegesituationen mit bisweilen engem Körperkontakt begleiten und dabei möglichst die geltenden Hygienevorschriften einhalten. Nebst agogischen gilt es zurzeit also auch noch viele weitere Weisungen einzuhalten. Im Weiteren ist auch beim Personal Kreativität gefragt, gilt es doch, wegfallende Tagesstrukturen oder bisherige Routinen mit neuen Inhalten zu ersetzen. Hinzu kommen potenzielle oder bereits erfolgte Krankheitsausfälle von Teamkolleginnen und -kollegen oder die Notwendigkeit, selber bei einer anderen Gruppe, in einem anderen Bereich einzuspringen. Das hat wiederum Auswirkungen auf den eigenen Einsatzplan und auf das Privatleben.

Das ist ein enormer Balanceakt und kann zur Zerreissprobe führen.

Dies alles als Betreuungsperson professionell zu begleiten und umzusetzen sowie gleichzeitig der Sorge um die eigene Gesundheit ausgesetzt zu sein – das ist ein enormer Balanceakt und kann zu einer Zerreissprobe werden. Gerade dieser Punkt macht, unter anderen, die Ausserordentlichkeit dieser Coronakrise aus: Im Arbeitsalltag müssen die Mitarbeitenden als professionelle Fachperson anderen Menschen unterstützend zur Verfügung stehen, gleichzeitig sind sie selber im Moment immer auch als Privatperson durch eine mögliche Virusinfektion bedroht (oder drohen selber begleitete Menschen anzustecken). Mit dieser Gleichzeitigkeit umzugehen, ist nicht einfach.

In vielen Einrichtungen leistet das Fachpersonal zurzeit also einen sehr grossen und engagierten Einsatz, was mich sehr beeindruckt.

4. Welche Haltung kann helfen?

Gerade zur aktuellen Krisenzeit kann ein Team profitieren, das auch bereits vorher eine achtsame und sorgfältige Teamkultur eingeübt und gepflegt hat: sich gegenseitig unterstützen, gerade auch in der adäquaten Umsetzung von Weisungen, sich gegenseitig wahrnehmen und merken, wenn ein Teamkollege an seine Grenzen kommt oder eine Kollegin Belastungssymptome zeigt. Eine offene Gesprächskultur kann nur unterstützend sein.

Dass alle Fachpersonen dabei Weisungen und Regelungen möglichst einheitlich umsetzen, ist zudem dem Sicherheitsgefühl der Klienten und Klientinnen zuträglich und verhindert zusätzliche Unruhe und Verwirrung.

Auch eine wertschätzende, dabei aber sehr klare Führung ist zurzeit zentral. Die umzusetzenden Regelungen lösen beim Fachpersonal unterschiedliche Reaktionen aus. Bestimmte Handlungsanweisungen stossen bei den einen auf Verständnis und bei den anderen auf Ablehnung. Zudem drohen einige Fachpersonen vielleicht in eine Art «Schockstarre» zu verfallen, während andere in einen übersteigerten Aktivismus hineingeraten. In einer Krise, wie wir sie jetzt erleben, ist hingegen keine Zeit vorhanden für ausgedehnte fachliche Besprechungen. Jetzt muss umgesetzt und gehandelt werden. Dass alle Fachpersonen dabei Weisungen und Regelungen möglichst einheitlich umsetzen, ist zudem dem Sicherheitsgefühl der Klienten und Klientinnen zuträglich und verhindert zusätzliche Unruhe und Verwirrung. Wenn später aber wieder ruhigere Zeiten einkehren und die gröbste Krise vorüber ist, dann bleibt es wichtig, das Geschehene zusammen zu besprechen und zu verarbeiten. Das gilt für das Fachpersonal wie auch für die begleiteten Personen mit Behinderung. Ansonsten drohen Schädigungen zurückzubleiben, die die betroffenen Menschen wie auch zukünftige betriebsinterne Prozesse beeinträchtigen können.

Es ist mir ein Anliegen, an dieser Stelle zu erwähnen, dass obige Beschreibungen auch auf Bezugspersonen im Umfeld der Angehörigen zutreffen. Viele betreuende Eltern, Geschwister, Onkel und Tanten von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung zeigen zurzeit ein Höchstmass an Engagement und erleben herausforderndste Situationen zu Hause. Viele Eltern begleiten in der Krise ihre Söhne und Töchter mit Behinderung rund um die Uhr, da bestehende Angebote von einem Tag auf den anderen ausgefallen sind. Dabei können viele ihrem aktuellen Beruf kaum mehr nachgehen, können sich die körperlich und psychisch anstrengende Betreuungs- und Pflegearbeit mit niemandem teilen und erhalten dafür auch keine finanzielle Entschädigung. Hinzu kommt die familiär-emotionale Verbindung zur Person mit Behinderung, die unter Umständen gar einer momentanen Risikogruppe angehört. Die Sorge um den Gesundheitszustand einer geliebten Person ist eine zusätzliche Belastung in dieser bereits ausserordentlichen Situation.

Für alle Betreuungspersonen ist nun adäquate Unterstützung und auch Wertschätzung gefragt.

Für alle Betreuungspersonen, seien es Fachpersonen oder Angehörige, ist nun adäquate Unterstützung und auch Wertschätzung gefragt. Es ist wichtig, dass wir rasch entsprechende Möglichkeiten finden. 

5. Tipps für das Begleitpersonal

Einige Punkte habe ich bereits in der obigen Frage angerissen, vor allem, was den Umgang miteinander im Team betrifft. Gerne kann ich an dieser Stelle noch ein paar weitere Überlegungen anbieten. Was eine einzelne Person dann auch als wirklich unterstützend erlebt, das kann nur jeder und jede für sich selber entscheiden.

  • Das Arbeiten in einem Team hat den Vorteil, dass man in dieser Krise nicht alleine ist. Vergegenwärtigen Sie sich wiederholt, dass Sie diese Krisensituation nicht alleine tragen und meistern müssen. Pflegen Sie das kollegiale Miteinander ganz bewusst, auch wenn dafür kaum Zeit vorhanden und körperliche Distanz erforderlich ist.
  • Fordern Sie bei der Führung klare Handlungsanweisungen ein. Es kann auch entlastend sein, Verantwortung punktuell abgeben zu dürfen und Anweisungen konsequent zu befolgen.
    Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber, Ihre Arbeitgeberin darauf an, wenn Sie unsicher sind, wie Sie sich bei eigenen Krankheitssymptomen verhalten sollen.
  • Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson über die aktuellen Erlebnisse und Gedanken, die Sie beschäftigen. Mag die Zeit im Team dazu vielleicht fehlen, so besteht eventuell Raum dafür im privaten Bereich. Respektieren Sie dabei aber unbedingt auch weiterhin die Vertraulichkeit als betreuende Fachperson, und schützen Sie damit die Privatsphäre der begleiteten Klientinnen und Klienten. Diese berufsethischen Regelungen werden auch durch die aktuelle Krise nicht ausser Kraft gesetzt.
  • Seien Sie achtsam sich selbst gegenüber. Nehmen Sie bewusst wahr, wenn sich bei Ihnen Stresssymptome zeigen sollten, oder fordern Sie eine Vertrauensperson auf, Sie darauf anzusprechen. Machen Sie täglich Dinge, die Ihnen gut tun und Ihnen Freude bereiten.
  • Atmen Sie in Stressmomenten wiederholt tief ein und aus, warten Sie zwischen Ein- und Ausatmen einige Sekunden ab. Oder spannen Sie bestimmte Muskelpartien in Ihrem Körper bewusst an, und entspannen Sie diese nach einer kurzen Haltezeit. Wiederholen Sie dieses Vorgehen mehrere Male mit der gleichen Muskelpartie und wechseln erst dann zu einer anderen Region in Ihrem Körper.
  • Seien Sie auch Ihrem Umfeld gegenüber achtsam und sprechen Sie Kollegen und Kolleginnen darauf an, sollten Ihnen Verhaltensveränderungen oder Anzeichen von Belastung auffallen.
  • Und machen Sie sich bewusst, dass Sie tagtäglich eine unglaublich wertvolle Arbeit erbringen und in dieser ausserordentlichen Zeit Ausserordentliches leisten. Vielen Dank dafür!

Unsere Gastautorin

Simone Rychard ist lic. phil. Psychologin und leitet die Fachstelle Lebensräume. Die Fachstelle Lebensräume ist eine Dienstleistung von insieme Schweiz. Das Angebot umfasst psychologische Beratung und Begleitung für Menschen mit einer geistigen Behinderung in schwierigen Lebenssituationen und für ihre Angehörigen. Die Fachstelle steht auch Fachpersonen im Rahmen einer Kurzberatung für Auskünfte, Informationen und Kontaktvermittlungen zur Verfügung.
Lebensräume von insieme Schweiz

 



Bild: iStock/pxel66

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